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Zusammenfassung:
- Definition: Ein bösartiger Tumor der Schilddrüse, verschiedene Typen bekannt, zum Beispiel papilläres, follikuläres, meduläres, onkozytäres oder anaplastisches Schilddrüsenkarzinom; sie sind verschieden häufig und aggressiv; Schilddrüsenkarzinom kommt seltener vor als andere Krebsarten, aber auch schon in jüngerem Alter; Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer
- Symptome: Im Frühstadium meist noch keine Anzeichen; wenn der Tumor wächst, können z. B. Schwellungen am Hals, verdickte Lymphknoten oder Druckgefühl im Hals auftreten
- Behandlung: Richtet sich nach dem Typ und der Ausbreitung des Schildrüsenkarzinoms; besonders wichtig ist die Operation, aber auch Radiojodtherapie, manchmal Chemotherapie und Bestrahlung, meist in Kombination; lebenslang Schilddrüsenmedikamente – Nachsorge besonders wichtig
- Verlauf und Lebenserwartung: Meist günstig, wenn Schilddrüsenkrebs rechtzeitig entdeckt und behandelt wird; mache Tumoren sind aber aggressiv, wachsen schnell und bilden Metastasen
- Ursachen: Noch nicht genau bekannt, aber es gibt Risikofaktoren, z. B. ionisierende Strahlung, Jodmangel, gutartige Schilddrüsenerkrankungen, genetische Faktoren
- Diagnose: Gespräch zur Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, Blutwerte, Gewebeentnahme (Biopsie)
- Früherkennung und Vorsorge: Keine speziellen Früherkennungsmaßnahmen möglich, daher besondere Aufmerksamkeit auf die Schilddrüse richten, bei Auffälligkeiten zeitnah zum Arzt.
Schilddrüsenkrebs ist ein bösartiger Tumor der Schilddrüse, die im vorderen Halsbereich liegt. Ärzte bezeichnen diese Krebsart auch als Schilddrüsenkarzinom. Schilddrüsenkrebs kann sich an verschiedenen Stellen des Organs bilden. Zudem gibt es verschiedene Arten von bösartigen Schilddrüsentumoren – je nach Gewebe, aus dem der Krebs hervorgeht.
Differenziertes Karzinom der Schilddrüse
Das differenzierte Karzinom umfasst das papilläre Schilddrüsenkarzinom und das follikuläre Schilddrüsenkarzinom:
- Ein papilläres Schilddrüsenkarzinom bildet verästelte „Finger“ aus, die sich hauptsächlich über die Lymphknoten und -gefäße am Hals ausbreiten. Mit rund 60 Prozent sind sie die häufigsten bösartigen Wucherungen der Schilddrüse, so die Deutsche Krebshilfe. Sie können sich entweder an einem oder beiden Schilddrüsenlappen bilden. Außerdem entwickeln sich oft mehrere Knoten an verschiedenen Stellen.
- Ein follikuläres Schilddrüsenkarzinom ist mit 25 bis 30 Prozent die zweithäufigste Form dieser Krebsart. Es ist schwerer zu erkennen, da die Struktur und der Aufbau des bösartigen Gewebes jenem der Schilddrüse sehr ähnlich ist. Hier wachsen meist nur einzelne Tumorknoten.
Medulläres Karzinom
Dieser Schilddrüsenkrebs ist für ungefähr fünf bis acht Prozent aller Schilddrüsenkarzinome verantwortlich. Im Gegensatz zu den anderen Tumoren der Schilddrüse geht ein medulläres Karzinom nicht von den jodspeichernden Zellen der Schilddrüse aus, sondern von den sogenannten C-Zellen. Sie produzieren ein Hormon (Calcitonin), das den Vitamin D- und Kalzium-Stoffwechsel des Körpers reguliert. Über den Calcitonin-Spiegel im Blut lässt sich dieser Schilddrüsenkrebs feststellen.
Gering differenziertes und undifferenziertes (anaplastisches) Schilddrüsenkarzinom
Experten unterscheiden zudem gering differenzierte (ihre Biologie liegt zwischen dem differenzierten und undifferenzierten Typ) und undifferenzierte (anaplastische) Schilddrüsenkarzinome. Das Wort „undifferenziert“ bedeutet, dass die Zellen nicht mehr wie normale Schilddrüsenzellen aussehen. Diese Tumortypen sind eher selten, aber oft sind sie aggressiv, streuen schnell ins umliegende Gewebe und bilden dort Krebsabsiedlungen (Metastasen).
Onkozytäres Schilddrüsenkarzinom
Ein onkozytäres Schilddrüsenkarzinom ist ebenfalls selten und wurde früher als Variante des differenzierten Karzinoms der Schilddrüse eingestuft. Inzwischen gilt es aber als eigenständige Art von Schilddrüsenkrebs. Dieser Tumor heißt auch noch Hürthle-Zell-Karzinom oder Onkozytom. Prinzipiell kann ein Onkozytom auch gutartig sein. Ist es jedoch bösartig, ist der Schilddrüsenkrebs oft aggressiv und wächst schnell. Typisch sind sogenannte Hürthle-Zellen, die viele Mitochondrien (die „Energiekraftwerke“ der Zellen) besitzen.
Schilddrüsenkrebs: Häufigkeit und Alter
Im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Brust-, Prostata- oder Darmkrebs sind bösartige Tumoren der Schilddrüse selten. Laut Robert Koch Institut (RKI) erkrankten im Jahr 2022 knapp 4.200 Frauen und rund 1.800 Männer neu an Schilddrüsenkrebs. Frauen sind also deutlich in der Mehrzahl. Die Gründe sind noch unklar, aber Forschende vermuten, dass die weiblichen Hormone einen Einfluss haben.
Die Häufigkeit von Schilddrüsenkarzinomen ist in Deutschland bis zum Jahr 2020 gestiegen und hat sich inzwischen auf einem Plateau eingependelt. Der Anstieg ist fast ausschließlich auf die prognostisch günstigen papillären Karzinome zurückzuführen. Die Gründe für die Zunahme der Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs sind noch nicht eindeutig geklärt. Vermutlich wurden aber mehr Tumore durch verbesserte Untersuchungsmethoden und bildgebende Verfahren gefunden.
Prinzipiell kann Schilddrüsenkrebs in jedem Alter auftreten. Das mittlere Alter bei der Diagnose der Erkrankung betrug im Jahr 2022 bei Frauen 51 Jahre und bei Männern 55 Jahre. Betroffene sind somit oft etwas jünger als bei anderen Krebsarten.
Schilddrüse: Aufbau und Funktion
Die Schilddrüse befindet sich vorne im Hals, ungefähr auf der Höhe des Kehlkopfes. Bei einem Erwachsenen wiegt das schmetterlingsförmige Organ zwischen 20 und 30 Gramm. Die Schilddrüse besteht aus zwei Lappen, die rechts und links der Luftröhre lokalisiert sind. Über den sogenannten Isthmus sind die beiden Hälften miteinander verbunden. Auf der Rückseite des Organs befinden sich die vier Nebenschilddrüsen, die ungefähr so groß wie ein Weizenkeim sind. Sie arbeiten unabhängig von der Schilddrüse und regulieren den Kalzium- und Phosphatspiegel im Körper.
Die wichtigste Aufgabe der Schilddrüse ist es, die Schilddrüsenhormone T3 und T4 zu produzieren. Beide Hormone sind am Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel des Körpers beteiligt. Sie beeinflussen zum Beispiel Herzschlag, Verdauung und Körpertemperatur. Um gesund und leistungsfähig zu bleiben, braucht die Schilddrüse genügend Jod. Der tägliche Bedarf eines Erwachsenen beträgt rund 180 bis 200 Mikrogramm. Es wird über die Nahrung aufgenommen, der Körper kann es nicht selbst bilden. Viel Jod steckt zum Beispiel in Fisch und Meeresfrüchten, auch das Speisesalz ist heutzutage oft jodiert.
Schilddrüsenkrebs: Symptome
Einen Schilddrüsenkrebs zu erkennen, ist nicht ganz einfach. Denn im Frühstadium verursachen diese bösartigen Tumore kaum Symptome, die auf Schilddrüsenkrebs hindeuten. Das ändert sich jedoch, wenn der Tumor wächst. Dann kann Schilddrüsenkrebs folgende Anzeichen verursachen:
- Schwellungen im Halsbereich, zum Beispiel einen Knoten an der Schilddrüse, der neu auftritt oder schnell wächst
- Vergrößerte und verdickte Lymphknoten
- Kropf, der entweder neu auftritt oder – wenn er schon länger besteht – plötzlich schnell wächst und sich härter anfühlt als sonst
- Allgemeines Druckgefühl im Halsbereich
- Hustenreiz und Heiserkeit
- Schluckbeschwerden
- Atemnot
Hinter diesen Anzeichen muss jedoch nicht unbedingt Schilddrüsenkrebs stecken. Oft ist eine harmlosere Ursache der Grund für die Beschwerden, zum Beispiel eine gutartige Schilddrüsenerkrankung. Dennoch gilt: Wenn Sie solche Symptome bei sich feststellen, sollten Sie die Ursache immer zeitnah von einem Arzt oder einer Ärztin abklären lassen. Eine gute erste Anlaufstelle ist Ihre Hausarztpraxis. Gegebenenfalls werden Sie an einen Facharzt weitergeleitet, zum Beispiel an einen Endokrinologen (Facharzt für Hormone und Drüsen).
Für Schilddrüsenkrebs gilt das Gleiche wie bei anderen Krebsarten: Eine frühe Diagnose und ausreichende Behandlung erhöhen die Heilungschancen.
Kleine Knoten sind harmlos
Ein kleiner Knoten in der Schilddrüse muss kein Grund zur Sorge sein. Meist wird erstmal nur beobachtet und nicht entfernt.
Prof. Gabriele Pöpperl, Ärztliche Direktorin der Klinik für Nuklearmedizin am Katharinenhospital des Klinikum StuttgartProf. Gabriele Pöpperl hat sich auf die Diagnostik von neuroendokrinen Tumoren (entstehen aus hormonbildenden Zellen wie der Schilddrüse), Prostatakarzinomen und Hirntumoren spezialisiert. Außerdem ist sie Expertin für die Therapie mit Radiopharmaka, etwa der Radiojodtherapie bei Schilddrüsenerkrankungen.
Bei Knoten, die nur 0,5 Millimeter bis einen Zentimeter klein sind, reicht es, sie alle sechs Monate per Ultraschall zu kontrollieren. Selbst wenn in diesen Knoten ein Mikrokarzinom auftritt, entwickelt es sich in der Regel langsam und ist relativ harmlos. Es gilt: Knoten unter einem Zentimeter sind höchstwahrscheinlich für das Leben des Patienten nicht relevant. Eine weitere Abklärung erfolgt erst, wenn das Karzinom wächst.
Vor einer OP sollte immer genau besprochen werden, ob der Eingriff wirklich notwendig ist. Denn jede Operation birgt Risiken. In der Nähe der Schilddrüse befinden sich die Stimmbandnerven – sie können bei dem Eingriff verletzt werden. Gleiches gilt für die Nebenschilddrüsen. Werden sie beschädigt, funktioniert der Kalziumhaushalt bei dem Patienten nicht mehr richtig. Mögliche Folgen sind Taubheitsgefühle, Muskelkrämpfe und Kopfschmerzen. Außerdem müssen Patienten nach einer teilweisen oder kompletten Entfernung der Schilddrüse in der Regel ein Leben lang Schilddrüsenhormone einnehmen.
Sobald der Knoten drückt, etwa auf die Luft- oder Speiseröhre, und das Atmen oder Schlucken beeinträchtigt ist. Ein weiterer Grund: Wenn die Wucherung zu viele Hormone produziert und eine Schilddrüsenüberfunktion auslöst. Der Knoten lässt sich per Operation entfernen oder mit Hilfe einer Radiojodtherapie schrumpfen. Die Schilddrüse nimmt das radioaktive Jod auf und wird so gezielt bestrahlt.
Die Behandlung von Schilddrüsenkrebs können Sie in einem spezialisierten Zentrum durchführen lassen, in dem Ärztinnen und Ärzte viel Erfahrung und Expertise mit dieser Krebsart mitbringen. Auch die Anzahl der Operationen, die ein Zentrum durchführt, spielt eine Rolle für den Behandlungserfolg. Vor allem für Kinder und Jugendliche ist die Behandlung in einem spezialisierten und zertifizierten Zentrum empfohlen, aber auch bei anderen Patienten sollte diese geprüft werden, empfiehlt die neue Leitlinie „Schilddrüsenkarzinom“ aus dem Jahr 2025.
Ein zertifiziertes Zentrum finden Sie zum Beispiel über die Webseite Oncomap der Deutschen Krebsgesellschaft unter www.oncomap.de. Dort können Sie nach Krebsart suchen (Schilddrüsenkrebs = Endokrine Malignome) sowie nach Ihrem Wohnort oder Ihrer Postleitzahl.
Ist die Diagnose Schilddrüsenkrebs durch den (Fach)Arzt gesichert, wird dieser die Therapiemöglichkeiten mit Ihnen besprechen. Es gibt verschiedene Strategien bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs. Welche zum Einsatz kommen, hängen unter anderem vom Typ des Schilddrüsenkarzinoms und von dessen Stadium ab.
Schilddrüsenkrebs: Operation
Die Operation ist bei Schilddrüsenkrebs die wichtigste Behandlungsmethode. Bei kleinen Karzinomen (Durchmesser unter einem Zentimeter) genügt es manchmal, nur den betroffenen Schilddrüsenlappen zu entfernen. Meist entnimmt der Arzt bei der Operation jedoch die gesamte Schilddrüse und mit ihr – möglichst vollständig – auch das bösartige Tumorgewebe.
Ziel ist es, den Schilddrüsenkrebs durch die Operation zu heilen. Das gelingt jedoch nur, wenn sich die bösartige Geschwulst im Rahmen des chirurgischen Eingriffs vollständig entfernen läs
Radiojodtherapie
Bei einer Radiojodtherapie kommt radioaktives Jod in Form einer Kapsel zum Einsatz, um eventuell im Körper verbliebene Reste der Schilddrüse nach einer Operation (differenzierte Karzinome) zu zerstören. Außerdem soll die Radiojodtherapie Tumorreste oder eventuell vorhandene Metastasen beseitigen.
Die Kapsel wird geschluckt und löst sich im Magen auf. Dann wird das radioaktive Jod über die Blutbahn zur Schilddrüse transportiert. Dort nehmen es die Zellen auf und das überaktive oder erkrankte Gewebes wird gezielt zerstört. Nach dem Schlucken der Kapsel müssen Sie einige Tage zur Überwachung im Krankenhaus bleiben.
Sie ist eine Behandlungsmöglichkeit bei Tumoren, die Jod anreichern und speichern können. Dazu gehören das papilläre, follikuläre, onkozytäre und das schlecht differenzierte Schilddrüsenkarzinom. Die letzten beiden Tumortypen sprechen jedoch schlechter auf die Radiojodtherapie an. Nicht sinnvoll ist diese Behandlung bei medullärem oder undifferenziertem Schilddrüsenkrebs – diese Karzinome speichern kein Jod.
Die Radiojodtherapie lässt sich auch vor einer Operation einsetzen. Sie lässt sich heilend (kurativ), aber auch palliativ anwenden, wenn keine Aussichten auf Heilung bestehen. Als palliative Behandlung soll sie die Symptome lindern, das Tumorwachstum bremsen, die Lebensqualität verbessern und die Lebenszeit verlängern.
Strahlentherapie
Die Bestrahlung eignet sich besonders für undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome. Manchmal wenden Radiologen die Strahlentherapie auch bei großen differenzierten Karzinomen an, die sich operativ nicht vollständig entfernen lassen. Hochenergetische Strahlen sollen dabei womöglich noch verbliebene Krebszellen oder Metastasen vernichten.
Chemotherapie
Bei einer Chemotherapie setzen Ärzte Medikamente als Zellgifte ein, die das Zellwachstum hemmen oder die Krebszellen absterben lassen. Sie heißen Zytostatika oder Chemotherapeutika. Bei Schilddrüsenkrebs kommt die Chemotherapie aber nur selten zum Einsatz, denn nur undifferenzierte, aggressive Karzinome sprechen auf Zytostatika bis zu einem gewissen Maße an. Onkologen führen eine Chemotherapie durch, wenn weder Heilungschancen durch eine Operation bestehen noch eine Radiojodtherapie möglich ist. Die Chemo lässt sich auch mit einer Bestrahlung kombinieren (Radiochemotherapie).
Schilddrüsenkrebs: Nachsorge
An die Behandlung schließt sich bei Schilddrüsenkrebs die Nachsorge an. So erkennt der Arzt rechtzeitig, wenn der Krebs zurückkehrt (Rückfall, Rezidiv). Außerdem geht es darum, mögliche Nebenwirkungen und Spätfolgen der Behandlungen sowie körperliche oder seelische Probleme schnell zu erkennen und zu behandeln. Patienten müssen zum Beispiel anschließend Schilddrüsenhormone einnehmen, weil das Organ sie nicht mehr selbst herstellen kann.
Zur Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs gehört eine regelmäßige ärztliche Untersuchung. Anfangs sind die Zeitintervalle kürzer und die Untersuchungen finden häufiger statt. Später dehnen sich die Kontrollintervalle immer weiter aus. Empfohlen ist laut der Leitlinie Folgendes:
- In den ersten fünf Jahren alle sechs Monate.
- Nach fünf Jahren alle zwölf Monate.
- Die Nachsorge sollte über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren stattfinden, da Fernmetasthasen (Krebszellen, die sich in entfernterem Gewebe ansiedeln) und lokale Rückfälle bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen auch noch nach vielen Jahren auftreten können.
Der Arzt spricht im Rahmen der Nachsorge mit Ihnen über Ihr Befinden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Auch der Halsultraschall ist eine wichtige Methode zur Kontrolle. Gegebenenfalls folgen zusätzliche Röntgen- oder Laboruntersuchungen, um eventuelle Metastasen frühzeitig zu erkennen.
Schilddrüsenkrebs: Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen von Schilddrüsenkrebs sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Bekannt sind jedoch einige Risikofaktoren, welche die Gefahr für bösartige Tumoren der Schilddrüse erhöhen. Dazu zählen:
- Ionisierende Strahlung, etwa eine Bestrahlung im Halsbereich (auch Brusthöhle, Kopf oder ganzer Körper). Vor allem im Kindes- und Jugendalter kann die Bestrahlung das Risiko für Schilddrüsenkrebs steigern, weil die Schilddrüse besonders empfindlich gegenüber Strahlung ist. Ionisierende Strahlung kann ein Mensch zum Beispiel im Rahmen einer medizinischen Krebstherapie oder nach einem Atomreaktorunfall wie in Tschernobyl aus der Umwelt aufnehmen.
- Aufnahme von radioaktivem Jod – dies wurde zum Beispiel nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl festgestellt.
- Jodmangel: Dieser macht die Entwicklung von Schilddrüsenkrebs wahrscheinlicher.
- Gutartige Schilddrüsenerkrankungen wie ein Kropf (Struma) oder ein Adenom erhöhen die Gefahr für Schilddrüsenkrebs. Adenome sind gutartige Schilddrüsenknoten, die heiß (produziert Hormone) oder kalt (bildet keine Hormone) sein können.
- Für das häufigste (papilläre) Schilddrüsenkarzinom gibt es Hinweise auf Übergewicht als Risikofaktor.
- Familiengeschichte: Ein Schilddrüsenkarzinom bei Verwandten ersten Grades erhöht das Risiko, ebenfalls an dieser Krebsart zu erkranken.
- Genetische Faktoren: Ungefähr ein Fünftel der Personen mit den seltenen medullären Schilddrüsenkarzinomen trägt genetische Veränderungen in sich. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom kann auch zusammen mit anderen endokrinen Tumoren auftreten – im Rahmen einer sogenannten Multiplen Endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2). Dies ist eine Erbkrankheit, die auch zu einem Tumorwachstum in der Nebenschilddrüse und dem Nebennierenmark (Phäochromozytom) führen kann. Auch bei den papillären Schilddrüsenkarzinomen wird eine genetische Komponente vermutet.
- Alter: Ganz allgemein steigt das Krebsrisiko mit zunehmendem Lebensalter. Menschen, die an einem Schilddrüsenkarzinom erkranken, sind im Schnitt über 50 Jahre alt. Besonders undifferenzierte Karzinome treten in höherem Alter (50 bis 60 Jahre) auf.
- Geschlecht: Frauen erkranken deutlich häufiger an Schilddrüsenkrebs als Männer. Warum das so ist, dafür gibt es derzeit noch keine wissenschaftliche Erklärung.
Dass Faktoren wie die Ernährung eine Rolle bei der Entwicklung von Schilddrüsenkrebs spielen, ist bisher nicht sicher nachgewiesen.
Suchen Sie zeitnah einen Arzt oder eine Ärztin auf, wenn Sie Symptome bei sich feststellen, die auf Schilddrüsenkrebs hindeuten könnten. Je früher das Schilddrüsenkarzinom diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Ärztinnen und Ärzte führen verschiedene Untersuchungen durch, um die Diagnose Schilddrüsenkrebs zu sichern oder Entwarnung zu geben. Zu den Diagnoseuntersuchungen zählen:
- Patientengespräch: Bei der sogenannten Anamnese befragt der Arzt Sie zu Ihrer Krankengeschichte. Er erkundigt sich unter anderem nach den aktuellen Beschwerden, wie lange sie schon bestehen und wie intensiv sie ausgeprägt sind. Auch bereits vorhandene Erkrankungen oder ob und welche Medikamente Sie einnehmen, ist für den Arzt von Interesse. Daneben spielen Krebserkrankungen in Ihrer Familie eine wesentliche Rolle.
- Körperliche Untersuchung: Zu diesem Diagnoseschritt gehört zum Beispiel das Abtasten der Lymphknoten, des Halses und der Schilddrüse.
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Ein Ultraschallbild zeigt, wie groß die Schilddrüse ist, wo sie genau lokalisiert ist, wie gut das Gewebe durchblutet ist und ob Knoten oder Lymphknotenveränderungen vorhanden sind. Es gibt verschiedene Varianten der Sonografie.
- Blutuntersuchung: Bei Schilddrüsenkrebs können die Blutwerte weitere Auskunft geben. Aus dem Blut lässt sich einiges ablesen. So lassen Veränderungen in der Konzentration verschiedener Hormone Rückschlüsse auf die Funktion der Schilddrüse zu. Zu diesen Hormonen gehören die Schilddrüsenhormone T3 und T4, das in der Hirnanhangdrüse produzierte TSH und – bei medullären Karzinomen – Calcitonin sowie der Tumormarker CEA. Daneben werden in manchen Fällen Thyreoglobulin-Antikörper (TAK = Autoantikörper, die sich gegen das Schilddrüsenprotein Thyreoglobulin richten) und TPO-Antikörper bestimmt. Letztere sind Autoantikörper gegen das Enzym namens Schilddrüsen-Peroxidase, welches für die Produktion von Schilddrüsenhormonen wichtig ist. Thyreoglobulin (Tg) ist ein Tumormarker, der nach einer Operation in der Nachsorge bei Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom eine Rolle spielt.
- Gewebeentnahme (Biopsie): Ärzte entnehmen mit einer Nadel Gewebe aus dem verdächtigen Bereich der Schilddrüse. Im Labor analysiert ein Pathologe diese Gewebeprobe anschließend unter dem Mikroskop. Er sieht, ob es sich um gesunde Zellen oder Krebszellen handelt. Die Diagnose Schilddrüsenkrebs lässt sich so mit Sicherheit stellen.
Weitere Untersuchungen bei Schilddrüsenkrebs
Hat sich der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs erhärtet, folgen weitere Untersuchungen, um das genaue Stadium und die Ausbreitung des Tumors festzustellen. Dazu zählen zum Beispiel:
- Schilddrüsenszintigrafie: Das ist ein nuklearmedizinisches, bildgebendes Verfahren, bei dem Sie radioaktives Jod intravenös verabreicht bekommen. Dieses reichert sich (fast) nur im Schilddrüsengewebe an. Der Arzt kann dadurch Abweichungen feststellen und Rückschlüsse auf das Stoffwechselverhalten eventuell vorhandener Knoten schließen.
- Kehlkopf-, Luftröhren- und Speiseröhrenspiegelung
- Röntgenuntersuchung
- Computertomografie (CT)
- Magnetresonanztomografie (MRT, auch Kernspintomografie)
- Manchmal Positronen-Emissions-Tomografie mit CT (PET-CT)
Schilddrüsenkrebs: Früherkennung und Vorsorge
Im Gegensatz zu anderen Krebsarten wie Brustkrebs oder Darmkrebs gibt es bei Schilddrüsenkrebs keine speziellen Maßnahmen zur Früherkennung (Screening bei gesunden Personen). Am wichtigsten für die Früherkennung und Vorsorge von Schilddrüsenkrebs ist, dass Sie selbst sehr aufmerksam gegenüber Ihrer Schilddrüse sind. Achten Sie hierfür vor allem auf Veränderungen im Halsbereich.
Wenn Sie die Alarmsignale richtig deuten und frühzeitig einen Arzt aufsuchen, lässt sich Schilddrüsenkrebs rechtzeitig diagnostizieren und behandeln. Besonders wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (z. B. Schilddrüsenkarzinom in der Familie), sollten Sie Ihren Körper aufmerksam beobachten und mögliche Veränderungen zeitnah von Ihrem Arzt abklären lassen. Auch regelmäßige ärztliche Kontrollen mittels Tast- und gegebenenfalls Ultraschalluntersuchung können dabei helfen, Schilddrüsenkrebs frühzeitig zu erkennen.
Familien, in denen das familiäre medulläre Karzinom oder das MEN 2-Syndrom vorkommt, können zur Früherkennung verschiedene Untersuchungen durchführen lassen, darunter auch einen Gentest. Eine solche Genanalyse zur Vorsorge ist vor allem für die Familienmitglieder ratsam, die noch nicht an Schilddrüsenkrebs erkrankt sind.
Quellen
- S3-Leitlinie: Schilddrüsenkarzinom (Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) et al.); Stand: Juli 2025
- Online-Informationen Robert Koch-Institut (RKI): www.krebsdaten.de; Abruf: 15.09.2025
- Online-Informationen Deutsches Krebsforschungszentrum: www.krebsinformationsdienst.de; Abruf: 15.09.2025
- Online-Informationen Deutsche Krebshilfe. Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom): www.krebshilfe.de; Abruf: 15.09.2025
- Online-Informationen Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber. Krebs der Schilddrüse: www.krebshilfe.de; Abruf: 16.09.2025
- Online-Informationen Krebsliga Schweiz: www.krebsliga.ch; Abruf: 15.09.2025
- Online-Informationen Deutsches Schilddrüsenzentrum: www.deutsches-schilddruesenzentrum.de; Abruf: 16.09.2025
- Online-Informationen Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de; (Abruf: 16.09.2025